Was ist eine Parodontitis (Zahnbettentzündung / Parodontose) und wie entsteht sie?

Nicht wenigen Menschen im gesetzteren Alter zwischen 40 und 50 Jahren passiert es, dass die Zahnhälse sichtbar werden und öfter mal beim Zähneputzen das Zahnfleisch blutet. Nicht selten entwickelt sich trotz teilweise guter Mundhygiene ein etwas strengerer Mundgeruch. Was ist passiert?

Im Volksmund spricht man von einer Parodontose oder Zahnfleischschwund. Tatsächlich ist es eine Parodontitis, also eine chronische Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates (Knochen, Zahnfleisch und Zahnhaltefasern) die durch Bakterien verursacht wird. Jeder Mensch hat Millionen von Bakterien im Mund. Diese sind per se nicht alle schädlich sondern teilweise sogar sehr nützlich.

Bei den meisten Patienten fängt das Problem mit den Bakterien erst ab dem 40. – 50. Lebensjahr an. Warum?

Der Mensch ist genetisch bedingt darauf ausgelegt, ca. 40 – 50 Jahre alt zu werden. Überschreiten wir diese Grenze, so müssen wir uns mit dem Verschleiß unseres Körpers auseinandersetzen. Nicht nur Hüftgelenke und Knie fangen an Probleme zu machen, auch unser Immunsystem (Körperabwehr) ist nicht mehr so dynamisch wie in jüngeren Jahren. Bakterien werden durch die schwächelnde Körperabwehr aggressiver bekämpft. Die Bakterienbeläge die am und unter dem Zahnfleisch zu finden sind verursachen heftige Entzündungsreaktionen. Im Rahmen der Bekämpfung der Bakterien geht das Immunsystem sehr hart vor und löst Gewebe auf (Knochen, Bindegewebe, Haltefasern) um die Bakterien abzutöten. Es schießt mit Kanonen auf Spatzen und hinterlässt tiefe Bombenkrater, die sogenannten Zahnfleischtaschen. Da wo sich ursprünglich Knochen befand wächst nun Zahnfleisch in die Tiefe. Der bakterienbesiedelte Zahn wird von der Körperabwehr als Fremdkörper und Feind angesehen und deshalb von unserem Organismus abgeschieden. Dieser Prozess zieht sich solange hin, bis der Zahn irgendwann locker wird und ausfällt. So können keine Bakterien mehr in den Körper eindringen. Diese Form der Parodontitis die ältere Menschen betrifft, nennt man chronische Parodontitis.

In manchen Fällen ist es allerdings so, dass bereits recht junge Patienten über dauerhaftes Zahnfleischbluten klagen dabei jedoch perfekt ihre Zähne putzen. In diesen Fällen trifft der Spruch: “Ein sauberer Zahn wird nicht krank” definitiv nicht zu. Diese Patienten leiden zumeist unter einer aggressiven Form der Parodontitis. Hier kommt es schon relativ früh (zwischen 25 und 35 Jahren) zu massiven Entzündungsreaktionen die mit drastischem Knochenabbau einhergehen. Zumeist sind hier extrem aggressive Keime am werken, die in der Tiefe der Taschen sitzen und keinen Sauerstoff zum Überleben brauchen.

Durch intensive Forschung und Studien hat man in den letzten 10 Jahren erstaunliche Erkenntnisse über die Interaktion zwischen Bakterien und der Körperabwehr in Bezug auf die Parodontitis gewonnen. Vor allem aber fand man heraus, dass viele Patienten mit Risikofaktoren behaftet sind, die ein Voranschreiten einer Parodontitis begünstigen, ja sogar fördern. Ganz oben auf der Liste stehen mit Sicherheit das Rauchen und Stress. Systemische Erkrankungen wie ein schlecht eingestellter Zucker (Diabetes Mellitus) oder einer Gefäßverkalkung (Atherosklerose) können Begleiter einer Zahnbetterkrankung sein.

Im Volksmund heißt es oft: “Jedes Kind kostet einen Zahn”. Auch schwangere Frauen tragen das Risiko einer Parodontitis in sich. Patienten, die aufgrund eines Morbus Crohn Cortison einnehmen müssen oder Menschen mit einer geschwächten Körperabwehr (HIV, Zustand nach Chemotherapie bei Krebs), erleiden ebenfalls oft eine Parodontitis. Deshalb ist es immer wichtig, im Fall der Diagnose einer Parodontitis auch im Rahmen eines allgemeinmedizinischen Check-Up den Gesundheitszustand zu überprüfen.